So nun geht die Reise zu Ende. Ich sitze mal wieder auf gepackten Koffern, die laut Waage das Limit nicht überschreiten. Hoffen wir, dass die Waage die Wahrheit sagt und nicht lügt, so wie unser Saudi. Neben mir und dem alten Brasilianer wohnt noch ein 20jähriger Saudi hier, der eigentlich ganz nett ist. Nur ist unsere Nacht, sein Tag und unser Tag ist seine Nacht, d. h. er kocht mitten in der Nacht, weil der die Mahlzeiten am Tag natürlich verpasst. Zuerst dachte ich, es sei wegen dem Ramadan so, aber seitdem der vorbei ist, hat sich nichts geändert. Außerdem geht er nicht zur Schule und lügt durchweg, denn eigentlich sollte er schon gar nicht mehr sein. Eigentlich sollte er am 9.11. (was ja schon mal ein sehr komisches Datum ist), fahren, dann war es der 22.11. und nun ist es der 29.11., d. h. er hat schon einige Wochen verlängert, aber dafür nicht gezahlt. Und wenn man ihn darauf anspricht, sagt er, er macht es morgen, und morgen und wieder morgen. Außerdem hat er mit seiner Mähne unsere Dusche verstopft, ieh. Wie auch immer, gestern hat der Gastvater die Polizei gerufen. Die meinten, er solle das Schloss wechseln und anrufen, wenn der Saudi da ist, damit sie ihn mitnehmen können. Mit Saudis verstehen die hier keinen Spaß. Mein Gastvater meinte, die denken, es gibt hier keine Gesetze. Dadurch, dass der total entgegengesetzt lebt, habe ich ihn kaum gesehen und ich hoffe, ich erlebe den Polizeieinsatz nicht in meinen verbleibenden vier Stunden. Ansonsten habe ich den Donnerstag im Eaton Center verbracht, der größten Einkaufspassage hier. Hat ja sowieso, wie angekündigt, den ganzen Tag geregnet. So hatte ich genug Zeit noch Einkäufe zu erledigen. Abends bin ich dann mit Eveline und Sabine, so heißen die deutschen Mädels, Essen gegangen. Es gab Pizza und danach eine Schoki im Starbucks. Gestern war das Wetter dann wieder besser und ich konnte die letzte Station auf meiner Liste besuchen: St. Lawrence Market. Eine riesige Markthalle mit all möglichen frischen Lebensmitteln, Gewürzen aus aller Welt und merkwürdiger Sachen, die ich noch nie gesehen habe und erst recht nicht probieren möchte. War jedenfalls interessant. Danach war ich dann mit Linda auf eine letzte Poutine verabredet, zum Nachtisch gab es ein Cookie-Eis. Jetzt erwartet mich noch ein letztes Mittagessen mit der Gastfamilie und danach bringt mich ihr Sohn zur U-Bahn-Station.